Konstruktive Fehlerkultur heißt, angstfrei zu arbeiten.
Konstruktive Fehlerkultur ermöglicht einen offenen Austausch.
Konstruktive Fehlerkultur bietet eine ideale Lernumgebung.

Wer Fehler offen anspricht, kann daraus lernen und Unfallrisiken vermeiden.

Eine offene Fehlerkultur trägt viel zu Sicherheit und Gesundheit bei: Fehler werden nicht verheimlicht, sondern als Lernchancen begriffen und genutzt, um einen Betrieb sicherer und gesünder zu machen. kommmitmenschen setzen auf eine Kultur des Bessermachens.

Die Fehlerkultur eines Betriebs beschreibt, wie dort mit Fehlern und deren Folgen umgegangen wird. Idealerweise werden Fehler offengelegt und geprüft, was daraus zu lernen ist. Beispiel Beinahe-Unfall: Auch wenn nichts passiert ist, lässt sich ein solches Ereignis nutzen, um Gefahrenquellen abzustellen. Würde es hingegen mit einem „Noch einmal gut gegangen“ abgetan, wäre eine Chance zum Lernen vertan. Beim nächsten Mal geht es vielleicht nicht mehr gut aus ...

Austicken ist so Neunziger

Menschen machen Fehler – auch bei der Arbeit. Das war schon immer so. Was aber passiert, wenn im Arbeitsumfeld kaum Fehler zugelassen werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Social-Media-Clip "Der Bleistift". Die Szene im Video spielt in einem Großraumbüro. Der Chef patrouilliert zwischen den Schreibtischen und nähert sich einer Mitarbeiterin, die vor Nervosität die Bleistiftspitze abbricht. Vom Geräusch provoziert, rastet er völlig aus, wütet herum und droht sogar mit Rausschmiss. Wer einen Choleriker zum Chef hat, kann sich eben keine Fehler leisten. 

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Feedback ist das A & O

Eine offene Fehlerkultur ist die grundlegende Basis für Vertrauen zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten. Fehler werden offen angesprochen und aus ihnen wird gelernt, um den gleichen oder sogar noch schwerwiegendere Fehler oder Unfälle zu vermeiden. Deswegen ist es wichtig, über die begangenen Fehler zu sprechen und Feedback zu geben – besonders als Führungskraft. Dies hilft den Beschäftigten, sich zu orientieren und zu erfahren, was von Ihnen erwartet wird. Konstruktives, nachvollziehbares Feedback bildet die Grundlage dafür, Beteiligten den richtigen Weg im Umgang mit Fehlern zu weisen.

Ereignisanalyse

Wichtige Phasen einer Ereignisanalyse:

Phase 1: Information sammeln (beschreiben)

  • Beteiligte erläutern kurz das Ereignis (5 min.):
    → Was ist wichtig, um die Entstehung des Vorfalls zu verstehen?
  • Die anderen Teilnehmer stellen danach offene, erkundende Fragen, um das Geschehen besser zu verstehen.

Phase 2: Annahmen sammeln (erklären, noch keine Bewertung)

  • Offenes Zusammentragen von Hypothesen über mögliche Zusammenhänge:
    → Was könnte zu dem Ereignis geführt haben – technisch, organisatorisch, menschlich?

Phase 3: Annahmen auswerten (bewerten)

  • Welche Erklärungen erscheinen uns für das Ereignis plausibel?
  • Welche sind für unsere künftige Arbeit besonders relevant?
  • Was müssen wir verändern – technisch, organisatorisch, menschlich?
  • Wer muss in welcher Reihenfolge welche Entscheidungen treffen, um vorwärtszukommen?

Motor für Verbesserung

Einen Fehler zuzugeben fällt nicht leicht. Insbesondere wenn negative Reaktionen drohen. Ob jemand offenlegt, wenn etwas schiefgegangen ist, hängt vom Stellenwert ab, der Fehlern in Arbeits- und Lernprozessen zugeschrieben wird. Wirkungsvoll ist, die Fehlerkultur als Teil eines Managementsystems sowie in den Leitlinien eines Betriebs zu beschreiben. Allen Beschäftigten ist bewusst, dass die Meldung von Fehlern und Beinahe-Unfällen ausdrücklich erwünscht ist. Denn wer solche Ereignisse analysiert, kann Schlussfolgerungen über deren Ursachen ziehen und Schutzmaßnahmen treffen. Wenn Führungskräfte und Beschäftigte frei von Angst Fehler eingestehen und gemeinsam daraus für die Zukunft lernen, herrscht eine offene Fehlerkultur. Sie ist der Motor ständiger Verbesserung – auch für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb.

Handlungshilfen zu Fehlerkultur

Der Umgang mit Fehlern und unerwünschten Ereignissen beeinflusst eine gute Kultur der Prävention in hohem Maße. Zum einen können Führungskräfte und Beschäftigte von Fehlern und Ereignis­sen viel darüber lernen, wie sie ihre Arbeit in Zukunft besser gestalten kön­nen. Wenn Beschäftigte zum anderen erleben, dass im Unternehmen mit Feh­lern oder Ereignissen konstruktiv umge­gangen wird, erhöht dies auch die Wahr­scheinlichkeit, dass sie im Alltag bereits über kleine Fehler und Abweichungen offener sprechen und diese nicht ver­schweigen. Tipps und Infos zum Thema Fehlerkultur finden Sie in den Handlungshilfen: einfach anklicken, herunterladen und jederzeit nachschlagen.

Kurze Fragen zur Selbstreflexion

  • Ist den Beschäftigten klar, was nach Fehlern oder Ereignissen passiert? Gibt es einen klaren, nachvollziehbaren Prozess?
  • Sprechen Sie mit Beteiligten wertschätzend und verständnisvoll über Fehler?
  • Kann ich offen Auskunft darüber geben, wenn ein Fehler passiert ist?
  • Werden kleine sowie große Fehler und Ereignisse gleichermaßen behandelt und aufgearbeitet?

Tipps

Konsequenzen gemeinsam diskutieren

Entscheidungen über Konsequenzen nach gemachten Fehlern sind oft schwierig und schwer nachvollziehbar für die Beschäftigten. Beziehen Sie deswegen alle Beteiligten mit ein und diskutieren Sie vorab offen über diese Entscheidungen. So werden Unsicherheiten aus dem Weg geräumt und es entwickelt sich eine nachvollziehbare und gerechtfertigte Entscheidungspraxis, die auch im Ernstfall den Durchblick wahrt!

Aufarbeiten mit System

Um die Fehlerkultur zu fördern, sollte ein Prozess erarbeitet werden, der den Beteiligten deutlich macht, was nach einem Fehler geschieht. Am einfachsten geht dies, indem Sie beispielsweise standardisierte Fragen oder Meldehilfen (s. Praxishilfe zur Fehlerkultur) vorlegen, welche den Beteiligten auf einfache Weise die Möglichkeit geben, den Unfall oder den Fehler zu schildern.

Erkundende Fragen zum Lernen von Fehlern

  • Was wollten wir erreichen?
  • Wer war an der Aufgabe beteiligt?
  • Wann ist etwas Ungewöhnliches geschehen?
    Was war das und wie sind wir damit umgegangen?
  • Warum hat das Verhalten für Sie/die Beteiligten einen Sinn gehabt?
    (Z. B. Was haben Sie wahrgenommen – gehört, gesehen, gerochen, geschmeckt? Wie haben Sie das interpretiert? Was haben Sie entschieden zu tun?)
  • Welche Informationen waren vorhanden?
    Welche hätten in der Situation geholfen?
  • Ist Ähnliches schon öfter bei uns geschehen?
    Wie sind wir damit umgegangen?

Checkliste: Betriebliche Merkmale einer offenen Fehlerkultur

✓ Führungskräfte und Beschäftigte gehen gleichermaßen offen mit Fehlern um.

✓ Eine konstruktive Fehlerkultur ist in das Unternehmensleitbild oder Ähnliches aufgenommen.

✓ Alle Beschäftigten werden über Fehlermeldungen und -bearbeitung informiert.

✓ Fehler und Fehlerrisiken werden transparent gemacht und bewertet – Maßnahmen werden abgeleitet und umgesetzt.

✓ Beinahe-Unfälle werden erfasst und ausgewertet.

✓ Kontinuierliche Verbesserungssysteme und -prozesse sind eingeführt und werden umgesetzt.

✓ Gespräche in Unternehmen werden ohne Schuldzuweisung und konstruktiv durchgeführt, um Lernen zu ermöglichen.